Burg Böheimstein

Die vergessene Veste über Pegnitz

So könnte nach Überlieferungen die Burg Böheimstein ausgesehen haben. (Bild KHK mit Hilfe von KI)

Hoch über Pegnitz erhebt sich der Schlossberg. Heute erinnert nur noch ein Aussichtsturm an die einstige Burg Böheimstein, die über fast zweihundert Jahre das politische und wirtschaftliche Zentrum der Region bildete. Doch unter den Wiesenflächen, den Geländekanten und dem mächtigen Ringgraben verbergen sich noch immer die Spuren einer Anlage, deren Geschichte eng mit Kaiser Karl IV., dem Königreich Böhmen und der Markgrafschaft Brandenburg verbunden ist.

Von der Veste Pegnitz zur Burg Böheimstein

Die heute als Burg Böheimstein bekannte Anlage wurde ursprünglich als „Veste Pegnitz“ bezeichnet. Nach heutigem Forschungsstand entstand sie vermutlich zwischen 1347 und 1357 unter den Landgrafen von Leuchtenberg. Als diese ihr Pegnitzer Herrschaftsgebiet im Jahr 1357 an Kaiser Karl IV. verkauften, wird in den Verkaufsurkunden bereits ausdrücklich eine „Veste Pegnitz“ genannt.

Karl IV., zugleich König von Böhmen, integrierte Pegnitz in sein Territorium Neuböhmen und verlieh der Burg ihren neuen Namen „Böheimstein“. Die Anlage wurde zum Sitz eines Pflegers und zum Verwaltungszentrum des Amtes Böheimstein ausgebaut. Von hier aus wurden Stadt, Umland und wichtige Verkehrswege überwacht.

Der Schlossberg – ein außergewöhnlicher Burgstandort

Der Schlossberg erhebt sich unmittelbar westlich der Altstadt von Pegnitz bis auf 543 Meter Höhe. Anders als viele Burgen der Fränkischen Schweiz steht Böheimstein nicht auf einem markanten Felsturm, sondern auf einer natürlich geformten Bergkuppe.

Moderne Geländemodelle zeigen deutlich die noch heute erhaltenen Strukturen der Burganlage. Besonders eindrucksvoll ist der nahezu vollständig umlaufende Ringgraben, der die Kernburg vom übrigen Berg trennt. Der Zugang erfolgte vermutlich von Nordwesten über den heute noch genutzten Bergrücken. Vor dem eigentlichen Burgtor lag ein vorgelagerter Vorhof, der Angreifern ein erstes Hindernis entgegensetzte.

Auf dem äußeren Ringgraben befand sich ein umlaufender Wehr- und Patrouillenweg. Nach regionalen Überlieferungen war die Außenseite des Grabens mit starken Eichenbohlen befestigt. Diese Konstruktion erschwerte Angriffe erheblich und bot den Wächtern zusätzlichen Schutz.

Wie könnte die Burg ausgesehen haben?

Über das Aussehen der Burg existieren keine zeitgenössischen Ansichten. Die wichtigste historische Quelle ist die maßstäbliche Ruinenaufnahme des Plassenburg-Kartographen Johann Christoph Stierlein aus dem späten 18. Jahrhundert. Stierlein dokumentierte noch deutlich erkennbare Gräben, Mauerspuren und Geländestrukturen.

Die Forschung geht heute davon aus, dass Böheimstein keine riesige Ritterburg war, sondern eine vergleichsweise kompakte Amts- und Verwaltungsburg. Wahrscheinlich bestand sie aus einer Ringmauer, einem Torbau, mehreren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie einem Verwaltungsgebäude des Pflegers. Die Größe der Kernburg dürfte lediglich etwa 30 bis 40 Meter betragen haben.

Besonders interessant ist die Frage nach einem Bergfried. Während ältere Rekonstruktionen einen hohen Turm mit Spitzdach zeigen, sprechen die Geländebefunde eher für eine kleinere Warte oder Plattform auf dem höchsten Punkt der Anlage. Dort könnte sich eine Feuerstelle befunden haben, die zur Nachrichtenübermittlung genutzt wurde.

Teil einer mittelalterlichen Signalkette?

Mehrere regionale Überlieferungen deuten darauf hin, dass Böheimstein in eine Signalkette eingebunden war, die wichtige Höhenzüge der Region miteinander verband. Dabei könnten Rauchzeichen am Tag und Feuerzeichen in der Nacht verwendet worden sein.

Die erhöhte Lage des Schlossbergs ermöglichte weite Sichtverbindungen in das Pegnitztal und zu anderen befestigten Punkten der Umgebung. Ob diese Funktion bereits im 14. Jahrhundert bestand oder erst später entstand, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Die Zerstörung im Jahr 1553

Ihr Ende fand die Burg während des Zweiten Markgrafenkrieges. Im Juni 1553 wurde Böheimstein von Nürnberger Truppen belagert, beschossen und schließlich zur Aufgabe gezwungen. Die Burg wurde geplündert und niedergebrannt.

Anders als viele andere Burgen der Region wurde sie danach nicht wieder aufgebaut. Der Amtssitz wurde in das Altenstädter Schloss verlegt. Die Ruine verfiel und diente über Jahrhunderte als Steinbruch.

Auf Spurensuche

Wer heute den Schlossberg besucht, kann noch zahlreiche Spuren der ehemaligen Burg erkennen. Besonders deutlich sichtbar sind der Ringgraben, die Geländestufen der Kernburg und die Reste ehemaliger Befestigungen.

Die Auswertung historischer Karten, alter Beschreibungen und moderner Laserscandaten eröffnet dabei immer neue Einblicke in die Geschichte der Veste Pegnitz. Viele Fragen sind bis heute offen – und machen die Burg Böheimstein zu einem der spannendsten historischen Forschungsorte im Pegnitzer Land.

Die auf der Burg befindlichen Amtleute hat Heinrich Bauer zusammengestellt:

1405 Hans von Maiental
1406 Konrad von Aufseß († 1432)
1410 Hans von Sparneck zu Weisdorf
1412 Hans von Stauff
1416 Otto Senft und sein Sohn Jakob
1424 Konrad von Herbelstadt
1425 Konrad Mecher auf Kühlenfels
1447 Nikol von Weiher
1449 Konrad Mecher
1467 Jorg Mecher, Sohn des Konrad Mecher, bis 1447 gemeinsam mit seinem Bruder Gangolg Mecher
1481 Heinz von Rüssenbach
1509 Jorg von Rüssenbach, Sohn des Heinz von Rüssenbach
1537 Jorg der Jüngere von Rüssenbach, Sohn des Älteren
1546 Siegmund von Machwitz zu Wiedersberg
1549 Hans Kraft von Vestenberg
1553 Siegmund von Wirsberg zu Glashütten
1553 Hans von Hirschaid, Verteidiger der Burg während des zweiten Markgrafenkrieges

 

Der Bastelbogen

Wir freuen uns außerordentlich, dass wir hier auf unserer Seite den Bastelbogen der „Burg Böheimstein“ veröffentlichen dürfen.

Der Bastellbogen ist 2007 von Herrn Fritz Krohse nach einer Dokumentation von Heinrich Bauer (Pegnitzer Chronik) erstellt worden. Herr Krohse ist den älteren Mitbürgern sicher noch bekannt, er war bis 2011 im Rathaus im Ordnungs- und Gewerbeamt tätig,

Seine Beweggründe waren, den Kindern Heimatgefühl  zu vermitteln und etwas zum basteln zu geben.

Zum Download des Bastelbogens bitte hier klicken.

Ebenfalls von Herrn Krohse wurden die größeren Modelle der Burg Böheimstein und der Zaußenmühle gebaut. Man kann diese Modelle im Bürgerzentrum, vor der Bücherei bestaunen.

Quellen:

  • Heinrich Bauer: * 06.12.1857, † 30.05.1955,  Chronik der Stadt Pegnitz
  • Eduard Rühl, * 1892, † 1957, Kulturkunde des Pegnitztales
  • Dr. Hellmut Kunstmann, * 1908 in Fürth,  † 1979, Die Burgen der fränkischen Schweiz
  • Johann Looshorn, * 1831 in Weidenhüll, † 1916 in Bamberg, Die Geschichte des Bisthums Bamberg
  • Johann Christoph Stierlein, * 1759, † 1827, Militärkartograph der Plassenburg